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  • phauenstein

Beeinflusst von der Erlebnisdichte?

Erlebst du viel in deinem Alltag? Welche Art von Erlebnissen magst du am liebsten? Ab welcher Stufe zählt eigentlich eine Erfahrung als Erlebnis für dich? Es gibt Definitionen, bei denen muss sich ein Erlebnis vom Alltagsgeschehen abheben, sonst gilt es nicht als Erlebnis, das lange im Gedächtnis bleibt. Müssen richtige Erlebnisse in jedem Fall die ganz krassen Dinge sein? Kennst du Menschen, die in ihrem ganzen Leben noch nie in den Urlaub verreist sind? Wie ist es denn bei ihnen, denkst du dass diese Leute keine Erlebnisse machen? Wenn du mit Menschen sprichst, die mit kleinen Kinder durchs Leben gehen, erzählen sie unisono, dass es ein Erlebnis ist, die Welt mit den Augen der Kinder zu sehen. Wohlgemerkt auch die Momente, in denen die Kleinen Steine aufheben, Blümchen pflücken und sonstige ganz banale, alltägliche Dinge tun.


Ein Erlebnis definiert sich abhängig vom Erleben und vom Bewusstsein. Das Erlebnis ergibt sich aus den im Bewusstsein ablaufenden Vorgängen und daraus, welche Bedeutung du dem Erlebten zukommen lässt. Das heisst, dass du für dich selbst entscheiden kannst, was du als Erlebnis empfindest und was nicht. Wobei es sich bei Erlebnissen durchaus auch um einen unbewussten Vorgang handeln kann. Es lassen sich keine generellen Aussagen machen, warum eine Person etwas als Erlebnis empfindet und bewertet. Mit der Akzeptanz dieser individuellen Erlebnisbewertung kann auf jeden Fall ausgeschlossen werden, dass ein echtes Erlebnis direkt mit einem hohen Adrenalin-Einschuss zusammenhängen muss.


📷Uriel Soberanes, unsplash.com


Auch die Anbieter von Social Media, Gaming und TV-Serien kennen die Wirkung einer hohen Erlebnisdichte bestens. Die Verwendung von ausgeklügelten Erlebnisketten in der Unterhaltungsindustrie verursachen sehr schnell die angestrebte «Kundenbindung». Neue und noch intensivere Erlebnisse erhöhen die Attraktivität laufend. Diese drei Faktoren, unberechenbare Verstärkungspläne, Glücksspiel-Charakter und soziales Feedback, bestimmen direkt das Suchtpotenzial im menschlichen Gehirn. Bei übermässigem Konsum der genannten Unterhaltungserlebnisse entwickeln sich besonders bei jungen Menschen im Hirn ähnliche Veränderungen wie durch Drogen oder Alkohol. Durch die Ausschüttung von sogenannten Botenstoffen kommt es zu starken Belohnungs- und Glücksgefühlen. Sie wecken den Drang zur Wiederholung der berauschenden Erlebnisse.


Wie wirkt sich das auf die Persönlichkeitsentwicklung aus? Für die meisten von uns ist es unvorstellbar, das Leben einfach nur zu erleben, wenn es auch ein richtiges Erlebnis oder eine hohe Erlebnisdichte sein kann. Doch weshalb bewerten wir eine geringere Anzahl an Erlebnissen als Verlust? Und den Aufschub bei den Erlebnissen als Liebesentzug? Weshalb schaffen wir es nicht oder nur ganz schwer, solche erlebnisneutralen Phasen als Teil eines normalen Lebens einzuordnen? Bei den Erlebnissen darf unterschieden werden zwischen kurzlebigen und zwischen tiefgründigen Erfahrungen. Auch wenn die Grenzen zwischen diesen beiden Kategorien oftmals ineinander verfliessen, macht es Sinn, deine Erlebnisse richtig einzuordnen. Die in ihrer Wirkung schnell verpuffenden Erlebnisse sind deshalb weniger anhaltend, weil wir ihnen nicht denselben Wert beimessen wie den tiefgründigen Erlebnissen. Spannend ist, dass für viele Personen die Erfahrungen aus Beziehungen diskussionslos zu den tiefgründigen Erlebnissen gehören.


Die Identität einer jeden Person hängt direkt mit seinem Selbst- und Welterleben zusammen. Das Selbsterleben beinhaltet die Wahrnehmung des eigenen Selbstwerts, des Selbstkonzepts und der subjektiven Erfahrung von persönlicher Kontrolle und Selbstwirksamkeit in der privaten und öffentlichen Selbstpräsentation. Das Wort Selbsterleben erweckt den Eindruck, dass die Erlebnisse eine Rolle spielen. Richtig, es ist davon auszugehen, dass nicht nur das Erleben des Selbstwerts eine Rolle spielt, sondern auch die Erlebnisse selbst. Erlebnisse entstehen aus der Koppelung von Erleben mit Ergriffenheit. Ob eine Erfahrung zu einem Erlebnis wird, entscheiden wir mit, aufgrund der Aufmerksamkeit und Bedeutung die wir einer Erfahrung beimessen.


Worauf begründet dein Selbstwert? Welche deiner Erlebnisse, machen die Person aus dir, die du sein willst? Welche Erfahrungen sind es, die deinen wahren Wert begründen? Oder beziehst du deinen Selbstwert aus deinen Fähigkeiten, oder aus den Rückmeldungen der Menschen aus deinem Umfeld? Basiert deine Selbstwahrnehmung auf deinem materiellen Besitztum? Wie sieht dein Selbstkonzept aus, wenn die von aussen einwirkenden Erlebnisse für eine Weile ausbleiben?


In der Bibel sind eine Menge spannende Hinweise auf das Thema Selbsterleben zu finden. So auch der Umgang mit Phasen, in denen sich die Erlebnisdichte verändert: «Ob ich wenig oder viel habe, beides ist mir durchaus vertraut, und ich kann mit beidem zufrieden sein: Ich kann satt sein und hungern; ich kann Mangel leiden und Überfluss haben.» (Philipper 4.12). Von Verzicht und ständiger Unterordnung der eigenen Bedürfnisse kann keine Rede sein. Im Gegenteil, wir sind ebenso wertvoll, wie alle anderen Menschen in unserem Umfeld: «Liebe deine Mitmenschen, wie dich selbst.» (Markus 12.31). Wir alle beziehen mehr oder weniger Lob und Anerkennung aus den Rückmeldungen der Menschen aus unserem Umfeld. Wenn du jedoch nur noch so lebst, damit du immerzu mehr Komplimente erlebst, birgt das Suchtpotenzial. «Wer das Urteil der Menschen fürchtet, gerät in ihre Abhängigkeit; der dem Herrn vertraut, ist gelassen und sicher.» (Sprüche 29.25). Denn wenn du für den Applaus anderer Menschen lebst, wirst du an ihrer Kritik ersticken.


Jesus hat mit seinen übernatürlichen Wundern für grosses Aufsehen gesorgt. Blinde konnten sehen, Lahme konnten gehen, Tote wurden lebendig, Stürme gehorchten seinem Befehl, Wasser wurde zu Wein, Essen wurde vermehrt und ganz vieles mehr. Die Menschen der damaligen Zeit umringten ihn, entweder, um selbst geheilt zu werden oder aber auf jeden Fall, um diese Wunder mitzuerleben. Nur das damalige Kirchen-Establishment hatte keine Augen für diese vielen Wunder. Sie verlangten von Jesus ein Wunder zu erleben, damit sie ihm glauben konnten (Matthäus 12.39-40). Und dies wohlgemerkt trotz der unglaublichen Erlebnisdichte an Wundern, die Jesus in ihrer nächsten Umgebung wirkte. Deshalb stellt sich dieselbe Frage auch uns; sind wir abgestumpft durch eine hohe Erlebnisdichte oder können wir den Dingen, die wir erleben, den richtigen Wert beimessen?


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