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  • Philippe Hauenstein – Bibel Coaching

Langeweile ist eine gute Lehrerin

Ist Langeweile das Gegenteil von Abwechslung oder von Begeisterung? Hast du auch schon die Unterschiede erlebt, wenn deine Langeweile unterbrochen wird durch erfüllende Passion oder aber durch kurzlebigen Genuss? Langeweile fragt nach Abwechslung. Nach einem Reiz, der die Monotonie, Routine, Gleichförmigkeit vertreibt. Bei der Langeweile gibt es eine wesentliche Unterscheidung zwischen Alltagslangeweile und einem existenziellen Gefühl von Langeweile. Wir alle kennen die Alltagslangeweile, die eine Wartezeit füllt, die eine konsumierbare Differenz zum vermeintlichen Nichtstun anbietet. Solche Zeiten manövrierten uns allzuleicht in die Passivität. Rauchen aus Langeweile, Essen aus Langeweile, TV zappen aus Langeweile, stundenlang am Handy scrollen aus Langeweile. Das krasse an dieser konsumistischen Logik ist, dass sie eine passiv-aggressive Forderung nach Mehr, nach Neuem, nach Aufregendem auslöst.

📷 Austin Pacheco, unsplash.com

Die Zeit der wiederkehrenden, Corona-bedingten Einschränkungen ist eine besondere Phase, sowohl für Erwachsene als auch für Kinder. Sie können ihre Freunde nicht mehr treffen, die Eltern müssen – sofern möglich – daheim arbeiten, das Freizeitangebot ist beschränkt – Durchhalten ist gefordert, Langeweile macht sich breit. Das Gefühl von Langeweile ist jedoch eine gute Lehrerin! Echt jetzt? Wenn du dich in der Langeweile wiederfindest, kannst du dich entscheiden: für die Passivität oder für die aktiv-schöpferische Tätigkeit. Langeweile ist zunächst einmal ein gutes Übungsfeld, um sich mit sich und seinen Gedanken und Bedürfnissen auseinanderzusetzen und diese formulieren zu lernen. Und das ist auch für Jugendliche und Erwachsene hilfreich und gesundheitsfördernd. Denn Langeweile ist eben keine Zeitverschwendung. Du kannst vor allem durch selbst überwundene Langeweile lernen, etwas mit dir anzufangen, Ideen für Beschäftigungen zu entwickeln.


Du setzt dich mit dem Gefühl der Langeweile auseinander und musst dabei lernen, eine entstandene Leere zu füllen, und so lernst du auch, den Wert von Beschäftigungen und Anregungen zu schätzen. Wenn wir versuchen, bei jedem aufkommenden Gefühl der Langeweile uns mit Aktivitäten abzulenken, wird diese Ablenkung zur Selbstverständlichkeit. Durch Phasen der Langeweile kannst du hingegen Interesse an verschiedensten Themen, Aktivitäten etc. entwickeln, einen Sinn in Beschäftigungen finden, die du ohne die bewusste Entscheidung für eine Aktivität nicht entdeckt hättest. Ausserdem kannst du Langeweile auch als einen Impuls für Entspannung und Ruhe nutzen. Langeweile stellt sich besonders dann ein, wenn wir weniger unter Stress stehen und weniger Termine haben, zum Beispiel an den Abenden ohne externe Termine oder am Wochenende.


Es gibt verschiedene medizinische und psychologische Studien, die bei Langeweile Aktivitäten des Gehirns nachweisen. Auch in einer Phase, in der das Gehirn kaum gefordert wird, arbeitet es also: Man hat beobachtet, dass das Gehirn durch Phasen der Langeweile leistungsfähiger wird. An der Langeweile haftet definitiv ein schlechteres Image als ihr zusteht. Entscheidend bei Langeweile ist, ob du dich für deine aktive Kreativität oder für die passive Konsumhaltung entscheidest. In den vergangenen Monaten haben die Menschen mehr Sport getrieben und es wurden markant mehr Musikinstrumente verkauft. Wichtige Anzeichen dafür, dass grosse Teile der Gesellschaft sich aktivieren und das Leben selbstbestimmt gestalten.


Sich gegen die negativen Auswirkungen der Langeweile zu wehren, macht den entscheidenden Unterschied. In der Bibel gibt es einige Geschichten, in denen die (nicht-existenzielle) Langeweile zu krassen Dummheiten verführt hat. Nach dem spektakulären Auszug aus Ägypten campierte das Volk Israel am Berg Sinai. Gott rief Mose auf den Berg, um ihm die 10 Gebote zu übergeben. Als Mose sehr lange Zeit nicht mehr vom Berg herunterkam, forderte das Volk seinen Bruder Aaron auf, ihm Statuen aus Gold zu fertigen, denen es dann als ihre neuen Götter nachfolgen will (2. Mose Kapitel 32). Das wartende Volk beklagte sich nicht über existenzielle Langeweile, es hatte genug zu Essen und zu Trinken. Durch das lange Warten auf ihren Anführer Mose, handelte es sich um eine spirituelle Langeweile.


Dieselbe verheerende Wirkung erzielte die Alltagslangeweile auch im Leben von König David. Der sonst an vorderster Front, auf dem Schlachtfeld mitkämpfende König blieb für einmal Zuhause in Jerusalem. David war nachhaltig gelangweilt, ohne konkrete Aufgabe, ohne gebraucht zu werden. So kam er beim Anblick seiner hübschen Nachbarin auf die Idee, sich mit der jungen, bereits verheirateten Schönheit zu vergnügen. Und auch im Fall von David geschah es, ohne existenzielle Langeweile, denn David war am Königshof bereits von mehreren Ehefrauen umgeben (2. Samuel 11.3).


Im Kapitel der Sprüche zeigt uns die Bibel anhand des Verhaltens der Ameisen, wie wir uns vor Langeweile schützen können: «Beobachte die Ameisen, du Faulpelz! Nimm dir ein Beispiel an ihnen, damit du endlich klug wirst: Kein Vorgesetzter treibt sie an; trotzdem arbeiten sie den ganzen Sommer über fleissig und legen in der Erntezeit ihre Vorräte an.» (Sprüche 6.6-8). Wenn du eine Aufgabe hast, wenn du Leidenschaft für ein höheres Ziel entwickelst, wenn du dich entscheidest, in deinem Leben wirkungsvolle Spuren zu hinterlassen, dann läufst du weniger Gefahr, im durch Langeweile verursachten Selbstmitleid zu versinken.


Weitere Impulse findest du im kürzlich erschienen Buch BibelCoaching. Erhältlich beim Fontis Verlag oder im Buchhandel.


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