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Wieder vermehrt Fragen stellen

Wieviele Fragen stellst du pro Tag? Bist du in deinem Leben neugierig geblieben? Oder hast du zu allem deine Meinung gebildet? Wie leicht haben es Menschen in deinem Umfeld, von dir mit neuen Augen betrachtet zu werden?

Kinder stellen unentwegt Fragen. Über Fragen lernen sie das Leben und den Umgang mit ihrem Umfeld kennen. Kinder verfügen noch nicht über Erfahrungen auf denen sie ihre Meinung bilden können. Dieser Meinungsbildungsprozess entwickelt sich mit zunehmenden Lebensjahren weiter.

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Eine eigene Meinung zu haben ist wertvoll. Wenn wir von etwas überzeugt sind, wenn wir begriffen haben, wie unser Leben funktioniert, verleiht das uns Sicherheit. Unser Selbstbewusstsein basiert darauf. Wir strahlen Souveränität aus. Welche Quellen nutzen wir für unsere Meinungsbildung? Sind unsere Erfahrungen deckungsgleich mit den Erfahrungen unserer Mitmenschen? Lassen wir es zu, dass Erfahrungen anderer Menschen unsere Meinung bilden? Wie oft übernimmst du unkritisch die Meinungen von anderen?


Obwohl sich viele Menschen über das Schubladendenken beklagen, Neudeutsch auch «Framing» genannt, bleibt es unser bewusster oder unbewusster Umgang mit unseren Erlebnissen. Schubladendenken ist die Angewohnheit, einen Begriff ganz automatisch mit immer derselben Wertung zu verknüpfen, meistens negativer Art. Er ist so direkt, der muss total arrogant sein. Sie schaut immer genau hin, bestimmt spricht sie hintenrum über alle anderen.


Weshalb hören zahlreiche Menschen mit zunehmenden Alter auf, ihre Meinungsbildung fortzusetzen? Sind wir unseren Enttäuschungen erlegen? Ist jegliche Hoffnung erlischt, dass es diesmal anders herauskommt? Oder können wir mit dem Leben einfach nicht mehr mithalten?


Die Geschwindigkeit hat in den meisten Bereichen unserer Gesellschaft markant zugenommen. Wir erhalten Infos im Sekundentakt zugespielt. Pro Sekunde werden ca. 11 Millionen Sinneseindrücke in unserem Gehirn verarbeitet. Davon nehmen wir jedoch nur etwa 40 davon bewusst wahr. Der Grund für diese starke Filterung an Informationen ist ganz einfach ein Schutzmechanismus in unserem Gehirn.


Mit einer derart grossen Menge an Informationen fehlt schlichtweg die Kapazität für aktives Nachfragen, für die Prüfung der Fakten. Gehörst du zu den Menschen für die Social Media zum Informationskanal Nr. 1 geworden ist. Auf Social Media durchmischen sich Information und Entertainment unentwegt. Mit Schwergewicht in Richtung Entertainment.


Die Vorteile von Social Media sind die zahlreichen Meinungen und Bewertungen von Menschen. Zu lange dominierten unkritische und unbewertete Werbetexte von Firmen und Organisationen im Internet. Wertungen und Bewertungen haben, wie so vieles auf der Welt, immer eine Kehrseite. Denn oftmals bleibt es nicht beim Bewerten sondern wir begeben uns gar schnell ins Urteilen oder gar ins Verurteilen.


Fällt dir auch immer wieder auf, dass wir besser mit Menschen oder Situationen umgehen können, wenn wir unsere Erlebnisse in Schubladen ablegen? Wenn jemand von sich sagt: «Ich esse kein Fleisch», dann lautet die Antwort: «Ahh, du bist Vegetarier». Die Person hat mit keinem Wort gesagt, dass der Verzicht auf Fleisch als Teil ihrer eigenen Identität gleichgesetzt ist. Und nur weil ich meinen Kaffee gerne mit Mandelmilch trinke, ist das noch keine Bestätigung dafür, dass ich an einer Laktose-Intoleranz leide.


Wenn wir unser Beurteilungen auf unsere Erfahrungsmuster, eben auf diese Schubladen abstützen, anstelle die aktuelle und individuelle Situation zu erfagen, müssen wir uns nicht wundern, wenn wir Menschen verletzten. Ausserdem verunmöglichen wir es uns, zu lernen und uns weiterzuentwickeln. Der geniale Wissenschaftler Albert Einstein sagte dazu: «Wichtig ist, dass man nie aufhört zu fragen». Jesus war ein Meister der Fragen und Gegenfragen. Fragen öffnen den Horizont der eigenen Vorstellungen. Think Big wächst aus der Fähigkeit, Bestehendes zu hinterfragen. Hingegen werten, bewerten, urteilen und verurteilen lässt keine kaum mehr Fragen zu.


Jesus sagt in der Bibel: «Urteilt nicht über andere, dann wird Gott euch auch nicht verurteilen! Richtet keinen Menschen, dann werdet auch ihr nicht gerichtet werden! Wenn ihr vergebt, dann wird auch euch vergeben.» (Lukas 6.37). Ein Urteil ist umfassend und endgültig. Genau dazu aber sind wir nicht berechtigt, weil wir nicht ins Herzen der Menschen sehen. Nur Gott kennt uns, unsere Gedanken und Motive tatsächlich besser als wir selbst.


Darf man sich also keine Meinung über etwas oder ein Verhalten bilden? Das ist nicht gemeint! Urteilen geht entscheidend weiter, weil es etwas Endgültiges ist. Wer urteilt, der erhebt sich über jemand anderen, er masst sich an die Situation so zu erfassen, dass es ihn zu einem endgültigen Urteil berechtigt. Wer über andere urteilt, der setzt sich – bildlich gesprochen – auf einen Stuhl (nämlich den des Richters), der ihm nicht zusteht.


Jesus wurde mit der Frage nach dem Richten sehr konkret konfrontiert: Einige Männer kamen zu ihm mit einer Frau, die beim Ehebruch ertappt wurde – an ihrer Verfehlung gab es keinen Zweifel. Nach dem damals gültigen Gesetz der Juden hätte die Frau gesteinigt werden dürfen. Mit dieser Frage standen die Männer nun vor Jesus. Er aber redet denen, die das tun wollen, ins Gewissen und ins Herz: «Wer von euch noch nie gesündigt hat, soll den ersten Stein auf sie werfen» (Johannes 8.7). Jesus hat verzichtet die Frau zu verurteilen. Er ist ihr mit Liebe begegnet und hat sie aufgefordert, nicht mehr zu sündigen.


Sollten wir nicht wieder mehr Fragen stellen und uns für die Menschen in unserem Umfeld interessieren? Wer aufgehört hat zu fragen, bleibt bei seinen eingefahrenen Meinungen und verzichtet darauf, sich aktuelles Wissen anzueignen.


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